Leseprobe

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Schwuuuppppps – der Pfeil saß! Und das gar nicht mal so verkehrt, dafür das es der erste Schuss von Amor im Leben von Selma und ihm war.

   Ganz zufrieden lächelnd saß Amor auf seiner Wolke, den Kopf in die rechte Hand gestützt und schaute auf sein Ergebnis. Naja der beste Treffer war es nicht, aber meine Güte – ich fang ja gerade erst an dachte Amor und schob sich den Köcher am Rücken zu Recht. Das Korbgeflecht in dem sich die Pfeile drin befanden, kratzte auf seinem Rücken, doch er konnte das Ding nicht abnehmen.

   Es war, seit er das Amt als einer von den vielen Amors übernommen hatte, fest an ihm verbunden. Mit Schulter zurecht schieben und dem Versuch die vom Kinn gelöste Hand so weit wie möglich nach hinten an die Stelle zwischen die Schulterblätter zu bekommen, um sich zu kratzen, verzog er auch gleichzeitig das Gesicht zu einem „uff“ und „aaaahh“ und dachte „daran werde ich mich nie gewöhnen“, schaffte es aber trotzdem den Juckreiz einigermaßen zu mindern.

   Er trug ja auch nur die komische Hose, die ihn doch an ein früheres Leben im zarten Alter von 1,5 Jahren erinnerte. Wieso konnte er sich überhaupt daran erinnern? Das weiß Amor nicht, wie so viel, dass aus seinem eigenen Leben mit der Übernahme seines Amtes verloren gegangen ist. Vereinzelt blitze aber noch das ein oder andere auf – unter anderem was sein jetziges Wirken bedeutet – Liebe! Liebe verbreiten, fördern, erhalten. Wer sich wohl diese Marketingstrategie ausgedacht hat….??

   Ein bisschen schüchtern war Selma schon, deswegen musste er mit dem Pfeil auch nachhelfen. Üblicherweise reichte es aus, dass er nur etwas von seinem Wolkenstaub verstreute wenn sich die 2 Menschen das erste Mal tief in die Augen schauten, die auf seiner ab zuarbeiteten Liste standen. Auf dieser standen natürlich auch der Tag, der Ort und der Zeitpunkt wo sie sich treffen würden. Da aber Amor etwas schusselig war, verrutschte er ab und zu schon mal in der Zeile oder verwechselte die Personen. Das hatte die Konsequenz, dass sich nicht Person A mit B und C mit D trifft, sondern A mit D und B mit C.

   OK – manchmal geht’s ja gut und die Zufallstreffer bleiben ein Leben lang zusammen, doch manchmal auch nicht und hier setzten wir im Leben von Selma wieder an.

   Auch bei Selma und Christian traf der Pfeil zwar, aber angedacht für Selma war eigentlich der schicke, große gutaussehende  Junge mit den braunen Augen. Christian hatte auch braune Augen und so kam es das Amor das erste Mal sein Schuss falsch absetze. Was aus dem großen, gutaussehenden Jungen mit den braunen Augen geworden ist, weiß Amor nicht. Er verschwand von seiner Liste nachdem er Christian und Selma „beschossen“ hatte. Und so wiederholt sich das für Selma die nächsten Jahre.

   Amor, hast Du dich ein bisschen genötigt gefühlt den Pfeil  abzuschießen? Schließlich stand da der große blonde Typ, der gebetsmühlenartig ständig die Hand von Christian und Selma nahm und sagte:

„Hiermit erkläre ich euch zu Mann und Frau“

   Ihr passt sooooo gut zusammen. Wenn das ein paarmal gemacht wird, nicht wahr Amor, dann kann man das auch schon mal glauben und denken, na gut, dann schieß ich mal. Auch wenn die Namen auf der Liste nicht übereinstimmten. Die Liste nimmst Du, Amor ja auch nicht ganz so ernst, stimmt’s?

   Nun war´s zu spät, die 2 mussten die nächsten Jahre zusammen verbringen, haben sogar nach 3 Jahren Beziehung geheiratet. Wobei es nicht mal einen richtigen romantischen Heiratsantrag gab, die beiden haben einfach beschlossen:

   „Wir könnten auch heiraten“.

   Der Kauf der Ringe war unkompliziert. Aus Weißgold sollten sie sein und später auch die Eheringe werden, in die dann das Hochzeitsdatum und den Vornamen eingraviert wurde.

Du Amor, mein Lieber, konntest dich für einen langen Winterschlaf hinlegen.

 

Gute Nacht! Schlaf gut!

 

Selma Arade

Geboren 1963 und in einer Kleinstadt in Hessen aufgewachsen, einige Jahre in Portugal gearbeitet und gelebt, seit vielen Jahre in Hamburg lebend und glücklich geschieden, immer wieder unglücklich verliebt und trotzdem zufrieden mit Ihrem Leben