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Andrea, eine ganz normale Frau

 

Andrea

   Eine Frau wie so viele, das dachte sie immer wenn ihr nichtssagender Standardtag vorbei war und sie abends im Bett lag. Das Ihre täglichen Erlebnisse für viele nicht selbstverständlich sind, begreift sie erst viele Jahre später.

Bis dahin hatte sie Höhen und Tiefen in ihrem Job, Freunde die kamen und gingen und spielte einigermaßen Bowling.

   In Hamburg lebte sie gerne, auch wenn sie hier nicht aufgewachsen war. Diese wunderschöne Großstadt bot viele Möglichkeiten sich zu beschäftigen, abzuschalten und nette Menschen kennen zu lernen.

   Sie und Ihre Zwillingsschwester Claudia wurden von ihrem Vater nur der „Clan“ genannt, wonach er auch das kleine Fischerboot, dass er als die beiden noch klein waren, getauft hatte. Damit machten sie kleine Ausflüge und fuhren zum Angeln auf der Ostsee.

   Eigentlich sollte sie sich mit ihrer Zwillingsschwester gut verstehen, doch im Erwachsenenalter redeten die beiden nicht mehr miteinander. Auch das gesellige Miteinander, das sie als Kinder bis zum Schulbeginn aktiv praktizierten, verlor sich in all den Jahren. Eine Weihnachtsfeier in der Firma zum Beispiel fällt ihr nicht immer leicht.

   Weihnachtsfeier! Puuuuhhh schon wieder ist ein Jahr vorbei und es hat sich nichts verändert. Ja, die Kollegen reden tagsüber mit mir, aber nach Feierabend noch mit allen aus der ganzen Firma zusammensitzen und so tun als ob ich fröhlich bin? Muss ich mir das wirklich antun? Und die zwei aus der anderen Abteilung die nur einen Zweck darin sehen – nämlich so viel und schnell wie es nur geht alles möglich an Alkohol in sich reinzuschütten. Einfach nur ekelhaft. Besoffene Frauen sind für mich unerträglich und doch muss ich sie ertragen wenn ich mitgehe.
Wenn ich aber absage, bin ich der Spielverderber und die, die sich immer ausgrenzt. Diejenige die unkollegial ist und der es an mangelndem Teamgeist fehlt.

   Abgesehen von der wieder ewig lang dauernden Rede der Geschäftsführung, die eigentlich ganz nett ist, doch wenn ich auf der Feier mit ihr zusammensitze und rede, werde ich dann von den Kollegen beobachtet und denken die dann, ich will mich bei der GF einschmeicheln?
Mein Auto steht vor der Tür, ich trinke deswegen nichts, kann aber jederzeit selbst entscheiden wann ich gehe. Gehe ich zu früh, direkt nach dem Essen, gelte ich dann als Schmarotzer, die nur mitkommt weil es was umsonst gibt? Gehe ich mit den letzten, gelte ich dann als die, die nichts verpassen will?

   Wann ist der richtige Zeitpunkt zu gehen um zu zeigen, das mich meine Kollegen auch privat interessieren und ich doch noch die nötige Regenerationszeit zwischen 2 Arbeitstagen zu bekommen?
Kann die Weihnachtsfeier nicht mal auf einen Freitag gelegt werden?

   Hab ich eine Ausrede um nicht zu gehen?

Ich glaube ich werde mich anmelden und wieder mal dabei sein. Ist ja nur 1x im Jahr, ich werde es schon irgendwie überstehen, auch wenn die Kollegen kaum mit mir reden und ich allein am Tisch sitze.

 

 

Veröffentlichung geplant für Ende 2020

Selma Arade

Geboren 1963 und in einer Kleinstadt in Hessen aufgewachsen, einige Jahre in Portugal gearbeitet und gelebt, seit vielen Jahre in Hamburg lebend und glücklich geschieden, immer wieder unglücklich verliebt und trotzdem zufrieden mit Ihrem Leben